Warum schmeckt uns meist der Kaffee in Frankreich nicht?

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Sebstverständlich, das darf man nicht verallgemeinern. Sicher gibt es viele Menschen auch ausserhalb von Frankreich die den kräftigen Geschmack des cafè bevorzugen. Schwören darauf, dass ein echter Café au Lait auch nur mit einem echten "französischen" Kaffee als Grundlage schmeckt.

Aber warum verziehen viele Mittel- und Nordeuropäer das Gesicht beim "Genuss" eines Kaffees in einem Bistro an der Cote d'Azur oder in der Normandie?

Hierzu müssen wir etwas ausholen und die Kolonialgeschichte Frankreichs bemühen. Als eines der Ergebnisse des Französisch - Chinesischen Krieges wurden die südlichen Provinzen Vietnams im Jahre 1863 an Frankreich abgetreten. Schon bald, bereits 1885, hatte Frankreich ganz Vietnam besetzt. Zwei Jahre später mit dem Protektorat über Kambodscha (damals: Republik Khmer), Annam und Tongking gründete Frankreich die Kolonie "Französisch-Indochina".

In dieser Kolonie begann man am Ende des 19. Jahrhundert den Anbau von Kaffee zu kultivieren. Aufgrund der geologischen Gegebenheiten und des tropischen Klima im Süden konnte nur eine widerstandsfähige Kaffeesorte angebaut werden - der Robusta. Ein Anbau von Arabica (coffea arabica) war nicht möglich, da er nur ein ausreichendes Wachstum bei Temperaturen zwischen 18-22 °C ausbildet und eine hohe Luftfeuchtigkeit nicht verträgt.

Es gibt jedoch zwischen Robusta- und Arabicabohnen weitere und entscheidendere Unterschiede:

Arabicapflanzen lieben die Höhe, Robusta gedeiht auch prächtig in niedrigen Lagen bei Temperaturen über 25° C. Jedoch gerade diese Tatsache begründet den hohen Anteil an Alkaloiden und Koffeein in der Robustabohne. Man nimmt an dass sich der Anteil von Koffein und anderen Bitterstoffen bei einem Kaffeeanbau in der Höhe verringert, da die Pflanzen dort mit weniger "Insektenfrass" konfrontiert werden und deswegen diesen Abwehrmechanismus nicht ausprägen müssen.

Bereits vor dem ersten Weltkrieg wurde also der Robusta-Kaffee aus den Kolonien Indochinas nach Frankreich transportiert und auch staatlich subventioniert. Bis zum Ende des Indochinakrieges 1954 wurde der Kaffee aus Vietnam als Monopol in alle französischen Départements importiert. Auf diese Weise bekamen die Franzosen über 50 Jahre lang -Robusta- zu trinken, nur in den Grenzregionen zur Schweiz, Deutschland, Luxemburg und Belgien konnten die dort ansässigen Kaffeeröster auch Arabicabohnen beziehen. Dieser wurde meist mit Robusta gemischt.

Diese historische Tatsache hat den Geschmack ganzer Generationen ausnehmend geprägt, noch heute werden in Frankreich 100% ige Robustakaffees geröstet oder in Mischungen mit Arabica 50% angeboten. Der Anteil von Robusta ist damit grundlegend in französischen Kaffeemarken höher als beispielsweise in Deutschland, wo auf Arabicakaffee gesetzt wird.

Das uns -Nichtfranzosen- der Kaffee in Frankreich nicht schmeckt liegt also an dem Robustaanteil und dem ungewohnten erdigen, leicht muffigen Geschack mit scharfen Abgang.

Aber, gesellt sich zu den feineren Säuren des Arabica ein kleiner Anteil von Robusta, dann ergibt sich oft ein perfektes Kaffeeerlebnis. Der Robustaanteil verleiht dieser Mischung durchaus Körper und sorgt für eine feine Crema.

... und ein Café au Lait schmeckt wirklich nirgends besser als in Frankreich!

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